Rumänischer Bonsai-Wolf in Tarmstedt gesichtet

Paula Romanska-Gourmetlett, unsere Feinschmecker-Prinzessin aus Brasov, meint, sie müsse nun auch einen eigenen Blog bekommen. Da man diesem Marmorkuchengesicht keinen Wunsch abschlagen kann, geht’s dann mal gleich los: Sie hat ja immer irgendwas zu berichten, zu bemeckern, zu fordern, zu erschrecken, zu sortieren usw.

Es begann im Juli 2011:

Hallo, ich bin Paula Romaneska-Gourmetlett!

In meinem früheren Leben, das ich ganz schnell zu vergessen hoffe, nannte man mich Gabriela. Ein Nachbar hier nennt mich “das Marmorkuchengesicht”, alle anderen sprechen immer von der rumänischen Urwölfin, was mir wirklich besser gefällt. Aber wie auch immer: in Tarmstedt kennt man mich jetzt überall, und Deutsch habe ich auch schon gelernt, obwohl ich das Wort “Diät” immer nur höre, aber gar nicht verstehe, was das mit mir zu tun haben soll.

Also, ich stamme aus Brasov, Rumänien, wie so viele meiner Kumpel aus der Brinkumer BMT-Station, und ich bin sehr froh, dass man mich im vergangenen Sommer im Alter von 11 Monaten nach Deutschland holte, denn wer weiß, was sonst mit mir in Rumänien passiert wäre. Hier, in meinem neuen Zuhause, habe ich dann erstmal mächtig Muskeln aufgebaut, mich erholt und strotze mittlerweile vor Energie und weiß oft gar nicht, wohin mit all dem Tatendrang .

So, nun hatte ich gleich zwei Mal riesiges Glück – erst, dass ich nach Brinkum gebracht wurde und dann noch einmal, als plötzlich meine jetzige Omili, mein Opi und meine Hunde-Mamma vor der Zwingertür auftauchten und wir uns ganz innig in einander verliebten. Das war genau das, wovon alle immer sprechen: Liebe auf den ersten Schnuffler. Die drei holten mich am nächsten Tag für einen sogenannten “Probetag” ab. Im Auto war mir ganz unwohl … “Bringen die mich jetzt zurück nach Rumänien?” Nein! Ich kam an, kletterte aus dem Auto, begrüßte freudig die erste Nachbarin, alle waren ganz entzückt von mir, vor allem mein Buddy Kobold, ein lustiger, ausgewachsener American Staffordshire-Rüde, der sich – glaube ich – ganz doll in mich verliebt hat.

Koboldus Maximus, der leider nicht mehr bei uns wohnt.

Nach einem Gassi mit dem Bully war ich immer total platt, er aber auch, ha.

Schmusen fanden wir total super.

Ja und dann … dann legte ich mich nach einem Tobetag in mein neues Körbchen und schlief gaaaaanz, gaaaanz fest ein. Meine drei Menschen waren so gerührt, daß sie mich gar nicht wieder zurück ins Tierheim bringen mochten, haben mich dann auch gleich hier behalten, und ich dachte, ich träume.

Diese Liebe auf dem ersten Blick führte dazu, dass ich in ein neues zu Hause ziehen durfte. Ein Heim auf dem Land, mit gleich zwei Gärten zum Toben, Spielen und Lernen.
Unseren Garten teilte ich anfangs dann mit eben diesem Kobold, den wir alle Kobi nannten, ein ganz liebes Muskelpaket, das sich bei meiner Ankunft vor Freude beinahe ins Fell machte. Als er merkte, dass ich noch Probleme beim Toben hatte, weil ich mich ständig ausruhen musste, war er ganz Gentleman und hat seine Kraft beim Spielen nie eingesetzt. Der hätte mich ja locker mit der Stoffkeule über den Zaun katapultieren können, aber 45 Kilo Kampfgewicht gegen 10 Kilo Hasenflitzer haben auch so seine Vorteile: Ich habe den Bären einfach in der der nächsten Kurve umgeworfen.

Ich lerne jeden Tag während unserer ausgiebigen Gassitouren neue Freunde kennen, zum Beispiel Eike, den Mix-Dackel, Peggy, die kleine Jack Russel, Tessa, die Cocker-Hündin, den Pudelmix Chippo und den uralten, blinden Labrador-Rüden Krishna, der eigentlich keinen anderen Hund in seiner Nähe duldet, aber mich ganz besonders mag. Wenn ich meinen Freund Chippo treffe, hüpfe ich vor Freude wie ein Hase über den Bahndamm und kriege mich gar nicht wieder ein. Chippo mag niemanden, nur mich, mein brother in crime. Hundemädchen kann ich nicht leiden.

Anm. d. Red.: Und irgendwann lernte sie ihren Nachbarn Poppie, eh Peppie kennen, einen Zwergspitz, der nicht alle Näpfe im Körbchen hat. Den nimmt sie gar nicht für voll und ignoriert ihn komplett. Schwarze große Hunde mag sie generell nicht und würde diese am liebsten ihren radelnden Herrchen direkt vors Rad katapultieren oder sie gleich tö… eh fressen. Ursache? Nicht klärbar.

Mein erstes Gassi mit der neuen Familie in Brinkum bei der Arche Noah:

Und mir begegneten neue bislang unbekannte Tiere, Frauchen erzählte mir dann immer, was das für ein Exemplar war. Mal ein Reh, ein Hase, Gänse und Hühner. Schafe, Pferde und Kühe kannte ich irgendwie schon – woher bloß? Aber wenn so ein Pferd an mir rumschnuffelt und plötzlich gewaltige Stoßseufzer aus diesen riesigen Löchern im Gesicht abschießt, springe ich vor Schreck schonmal fünf Meter hoch und 20 Meter weg.

Wenn ich die Schafe im Moor besuche, werde ich immer ganz hibbelig und bin stets bemüht, diese zusammenzutreiben. Die haben eine unmögliche Moral, was Rudelverhalten angeht. Die müssen zusammenbleiben, aber die verstehen mich nicht. Wenn mein Familienrudel nicht zusammenbleibt beim Spielen, zerre ich an deren Hosen und bringe sie dorthin, wohin sie gehören. So mache ich das auch mit meiner Leine auf den Rückwegen, damit Omili und Frauchen im Dunkeln den Weg auch finden. Vielleicht war ich in Rumänien ja auch Blindenhund?

Unruhe mag ich ja gar nie nicht, schon gar keine Renovierungen. An diesem Wochenende war ich sooo genervt, dass ich doch irgendwie mitten im Auge des bösen Laminatverlegens lag, da bin ich irgendwie eingepennt. Komische Lage irgendwie. Da sieht man mal wieder … STRESS.

Der niedersächsische Tarnwolf:

Update 2015: Ich kann mittlerweile auch total cool auf die Enkel von Omili und Opili aufpassen: Wenn die verbotenerweise die Treppe hochkrabbeln wollen, zerre ich an den Klamotten, bis sie wieder unten sind. Als Lohn stehle ich ihnen dann die angesabberten Brötchenreste. Und wenn die Stinker die Büx voll haben, melde ich das auch.

Katzen hasse ich. Frauchen hat soviele tolle Kochrezepte, weigert sich aber, Katzen zu kochen. Ich finde, mir zuliebe könnte sie wirklich mal … Roh ist doch echt unwürdig.

Hier erbettel ich beim Bett-TV Bonbel. Wenn meine Herrschaften oben im Bett knistern, höre ich ganz genau, ob es irgendwas ist, was ich eh nicht darf oder Bonbel, da komme ich dann im Schweinsgalopp die Treppe hochgepest …

Mein Jagdtrieb ist 100 Prozent in Ordnung. Ich suche, finde, jage und fresse alles, was nicht bei 3 auf dem Baum ist, bevorzugt Insekten und Frösche, aber Essen stehle ich nie. Ich weiß ja, was sich gehört. Anm. d. Red.: Nein, zuhause nie, aber … Tipp für meine Hundekollegen: Frösche fängt man am besten nachts, wenn diese – denken sie – ungestört durch den Garten hoppeln. Ich habe da eine super Strategie, die ich bei Bedarf gegen Beraterhonorar gerne verraten werde. Bin eben Vollprofi.

Frauchen hat mir einen Job verpasst. Ich bin in ihrer Firma jetzt als freie Mitarbeiterin eingesetzt, heiße dort Paula Romaneska und kümmere mich liebevoll um internes Entertainment, Security und Inkasso im Außendienst, um mir meinen Schweineöhrchenluxus zu verdienen. Ganz oft kommen sogenannte Kunden zu uns nach hause, und die sind alle ganz süß zu mir, bringen Leckerchen mit, und vor allem haben die auch alle Hunde, die dann zum Spielen mitkommen. So tobe ich schon mal locker 7 Stunden am Stück mit ganz vielen aufgeweckten Kollegen im Garten, bis Frauchen und diese Kunden fertig sind. Damit die Kunden mir auch zum Geburtstag gratulieren und wir uns verabreden können, habe ich sogar eine eigene Emailadresse (paula.romaneska-gourmetlett@gourmetlette.de) bekommen. Auch Ihr dürft mir gerne einmal schreiben. Ich freue mich immer, wenn Frauchen mir was vorliest. Wie Ihr allerdings die Leckerli als Anlage beilegt, ist Euer Problem. Ohne die öffne ich grundsätzlich keine keine Post und schiebe die gleich in den Spam-Ordner.

Der niedersächsische Tarnwolf:

Jeden Tag lerne ich etwas Neues, SITZ! und PLATZ! kann ich ja schon lange (wenn ich will), bei FUSS! gehen klappt auch schon, wenn da nicht nur etwas in meinen Genen wäre, dass mich immer wieder ungehorsam werden lässt, wenn ich „Beute“ wittere. Das kann neben Katzen, Vögeln und Hasen auch ruhig mal ein ausgewachsenes Reh sein. Frauchen kann mich deshalb außerhalb des Gartens nie von der Leine lassen. Schade, wo es doch hier so tolle Wiesen zum Toben gibt. Aber wir üben das immer fleißig an der Schleppleine, und ihre Hundeflöte ist sooo fies, da bleibe ich vor Schreck gleich stehen. Sie sagt, den Blumenkohl würde sie mir noch aus den Öhrchen holen (wenn sie wüsste, dass der viel tiefer sitzt, Kobolds Betonschädel war ein Witz gegen meinen Blumenkohl) … Anm. d. Red.: Das Blumenkohlding haben wir der Romaneska aus dem Schädel gezerrt. Es dauerte gar nicht so lange, bis wir sie ohne Leine überall laufen lassen konnten. Sie ist wirklich das Vorzeigeexemplar eines wohlerzogenen Hütehundes. Sie hat sich sogar einmal zurückrufen lassen als sie einem ausgewachsenen Reh ans Leder wollte. *stolzbin*

Ich bin ein sehr aufmerksames Hundekind, bewache das Haus, den Briefkasten, meine Gärten und natürlich meine Menschen. Mir entgeht nichts.

Und wenn am Wegesrand ein Kaugummipapier liegt, dass meine Familie bedroht, dann sage ich dem Kaugummipapier schon mächtig bescheid, dass mit mir nicht gut Kirschenessen ist. Aber hallo.

Eifersüchtig bin ich auch, wenn meine Leute andere Hunde streicheln, die zu nett sind. Bei einigen, die ich zu meinen engen Freunde zähle, sage ich ja nichts, aber bei neuen Hunden rege ich mich fürchterlich auf. Ich kann auch nur Bellen, wenn die Gartentür zu Omili und Opi verschlossen ist, ich aber unbedingt dort die Vögel von links nach rechts sortieren muss. Auch das ist eine meiner Aufgaben: Spatzen nach links, Meisen nach rechts, Tauben ganz weit weg. Wichtige Mission!

Ansonsten, wenn ich etwas will, heule ich wie ein Wolf mit schwerstem Asthma. Letztendlich ist das alles egal, solange mein Volk spurt, wenn ich einen Wunsch äußere. Anm. d. Red.: Mittlerweile pöbelt, heult und bellt sie, wann immer es ihr lüstet, im Dunkeln schon rein vorsichtshalber, es könnte ja ein fliegender Elefant vom Himmel fallen und ihre Familie rauben … Und Widerworte kennt sie jede Menge.

Mein liebstes Hobby ist Buddeln in Verbindung mit Asienreisen. Wenn keiner guckt, buddel ich den Garten locker in zwei Stunden komplett um, dass er aussieht wie ein Minenfeld. Mein Ziel ist da ja gar nicht die Zerstörung an sich, da versteht man mich total falsch, sondern das Entdecken von möglicherweise anderen Kulturen am anderen Ende des Erdballs. Irgendwann schaffe ich es, mich dorthin durchzuschlagen … Es muss unter der Erde ja Leben geben. Überall stolpere ich hier über frische Maulwurfshügel, in die ich erstmal meinen Rüssel stecke, ein wenig buddel und dann genüsslich ein Pippi drauf mache. Es muss ja alles seine Ordnung haben. Ich werde berichten.

Was soll ich sagen, ich bin endlich angekommen und nachdem mein Hausnachbar Kobi, der Stafford, mit dem ich auch immer wie verrückt durch den Garten tobte und viel geschmust habe, mit seinem Herrchen in eine andere Stadt zog, gehören mir Haus, Garten, Frauchen und Omili und Opi von nebenan ganz alleine.

Ich will hier nie wieder weg!

Und ich wünsche meinen Brinkumer Kumpels, dass sie auch irgendwann einen ebenso guten Griff bei der Wahl ihrer Menschen machen werden.

Ich möchte mich auch noch bei Nicole, meiner Pflegerin aus Stuhr bedanken, die sich all die Zeit so liebevoll um mich gekümmert und mich vermittelt hat. Ich glaube, ich habe echt Schwein gehabt.

Es grüßt Euch aus der Mädel-WG (jetzt sogar mit original ostfriesischem Hundepappa) im schönen Teufelsmoor,

Eure Paula

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Lieblingsplatz. Wenn ich einige Zeit in den Kräutern geschlafen habe, rieche ich immer ganz toll nach Waldmeister, Currykraut, Oregano, Bärlauch oder auch mal Rosmarin ud Thymian. Ich bin wirklich eine richtige Gourmetlette geworden.

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Quelle & Fotos: Die Gourmetlette – Bettina Hahn – www.gourmetlette.de & Hundeopili

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